Herzlich willkommen

zukunftssicher

Wenn Angst und Polarisierung auf Hoffnung und Liebe treffen

 

Liebe Teilnehmerin, lieber Teilnehmer,

dieser neue große APS-Kongress wird sich mit einem Thema befassen, das unsere Gesellschaft prägt und in seiner Bedeutung kaum zu überschätzen ist: der Angst vor der Zukunft. Wir möchten diese Angst und ihre Instrumentalisierung nicht nur besser verstehen, sondern auch Lösungsansätze aus Sicht der Psychotherapie und des christlichen Glaubens erarbeiten.

Zunächst wird es um eine kritische Analyse dessen gehen, das wir um uns unter dem Vorzeichen einer Angst vor Zukunft erleben: Polarisierungen und Populismus, Ideologisierungen und Vorurteile in Bevölkerungsgruppen sowie viel Lethargie oder hilflose Wut neben konstruktiven Ansätzen. Zum bedeutenden Bereich praktischer Erfahrungen hat sich hier neben der Klimaproblematik die Corona-Pandemie etabliert.

Psychotherapie und Seelsorge ermöglichen einen alternativen Erfahrungsraum.

Angst hat Wurzeln. Und diese liegen in der Regel nicht im Tagesgeschehen.

Wer mehr von der Herkunft seiner Ängste verstanden hat, braucht sich nicht mehr unmittelbar von ihnen steuern lassen. Neuer Handlungsspielraum entsteht, zunächst im Individuellen und dann für eine Gesellschaft.

Der christliche Glaube macht kein Geheimnis daraus, dass Menschen in der Welt Angst haben. Jesus sagt es sogar direkt. Aber diese Angst wird aufgefangen im Größeren der Gottesbeziehung, die nicht nur diese, sondern die ganze Schöpfung umschließt.

Auch dazu soll der Kongress ermutigen: auf spiritueller Ebene die Welt zu transzendieren, um ihr im besten Sinne dienen zu können.

Sie sind herzlich eingeladen, dabei zu sein!

 

Im Namen des Vorbereitungskreises

Dr. Martin Grabe
1. Vorsitzender der APS

Zur Online-Anmeldung

Grußwort des Oberbürgermeisters der Stadt Würzburg,
Christian Schuchardt

Liebe Teilnehmer*innen,

ich begrüße Sie zum 11. Internationalen Kongress für Psychotherapie und Seelsorge mit dem Thema „Zukunftssicher – wenn Angst und Polarisierung auf Hoffnung und Liebe treffen“.

Immer wieder gibt es für Menschen Situationen, in denen sie Ängste vor der Zukunft entwickeln und Unterstützung zu deren Bewältigung suchen - um Vertrauen in die eigene Selbstwirksamkeit zu entwickeln sowie mit Veränderungen und Herausforderungen besser umgehen zu können.

Diese Sorgen und Krisen von Menschen sind Ihnen aus Ihrer täglichen Arbeit bekannt und viele von Ihnen werden Menschen in diesen Situationen begleiten, psychotherapeutisch und/oder spirituell.

In der therapeutischen Beziehung unterstützen und ermuntern Sie, andere Wege als bisher auszuprobieren und damit neue Erfahrungen zu sammeln. Im Mittelpunkt Ihrer Arbeit steht der Mensch - mit all seinen Bedürfnissen. Um dauerhaft Menschen in Krisen helfen zu können, brauchen Therapeut*innen Zeiträume zum Kennenlernen aktueller Wissensstandards, Austausch auf professioneller Ebene und Reflexion. Dazu will der Kongress einladen.

Ich wünsche Ihnen interessante Impulse und wertvolle Begegnungen bei dem Kongress und in unserer Stadt Würzburg. Würzburg ist eine alte und zugleich jung gebliebene Stadt, mit einer offenen, bunten, interkulturellen und vielfältigen Gesellschaft, in der Menschen unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Religion, sexueller Identität oder Geschlecht respektiert und herzlich willkommen sind.

Mit freundlichen Grüßen

Christian Schuchardt
Oberbürgermeister der Stadt Würzburg

Grußwort des Ratsvorsitzenden der EKD,
Landesbischof
Dr. Heinrich Bedford-Strohm

Angst ist die Grundlage jeder Diktatur.

Diese erfahrungsgetränkte Erkenntnis hat Marian Turski, einer der letzten Auschwitz-Überlebenden, in einem Gespräch uns anlässlich unseres Besuchs am 3. August 2020 in Auschwitz mit auf den Weg gegeben. Die heutigen Phänomene der Angst in der Gesellschaft in Europa empfindet er als besorgniserregend. Und in der Tat zeigen rechtspopulistische Bewegungen und ihre am Schüren von Angst orientierten politischen Strategien, wie ernst seine Diagnose zu nehmen ist.

Bemerkenswerterweise hat das deutsche Wort „Angst“ Eingang in die englische Sprache gefunden. Zögerlichkeit, Zurückhaltung oder Zukunftsangst – das sind die Bedeutungsgehalte der deutsch-englischen Sprachkombination „German Angst“. Ich weiß nicht, wie wir in Deutschland zu diesem Stigma gekommen sind. Dass wir ängstlicher seien als andere Europäer, ist jedenfalls nicht von vornherein ersichtlich.

Seit Anfang des Jahres 2020 hat die Angst einen globalen gemeinsamen Nenner: Die Corona-Pandemie hat die gesamte Welt in Angst und Schrecken versetzt. Die einen mehr, die anderen weniger. Doch die Umfrageergebnisse in Deutschland sprechen eine deutliche Sprache. Während die Umfrage zu den Ängsten der Deutschen (RundV-Versicherungen) bis September 2019 noch ergeben hat, dass sich die Menschen vor allem um das Thema Flüchtlinge und Ausländer (über 50%) sorgen, um Altersarmut und sicheren Wohnraum, sehen die Werte im April 2020 ganz anders aus: Vor allem die wirtschaftlichen Ängste in der Bevölkerung steigen um das Doppelte (fast 60%) und Angst vor einer schweren Erkrankung haben 41% der Befragten. Der Klimawandel lag schon 2019 mit nur 41 Prozentpunkten überraschend deutlich dahinter auf der deutschen Ängsteskala.  Es scheint, als habe die Gesellschaft in den letzten beiden Jahren genug Themen, um Angst zu haben. Und die Angst ist ein starker Motor in uns, sie kann lähmen, antreiben, sie lässt sich missbrauchen oder in falsche Bahnen lenken. Viel von dem wütenden Populismus und gewaltbereiten Rassismus, von der Aggression und Verrohung in Sprache und Umgang miteinander haben in persönlichen Ängsten ihren Ursprung. Der Kongress in Würzburg mit seinem Titel „zukunftssicher“ ist deswegen gerade jetzt besonders wichtig. Der Untertitel verrät, dass es um das Thema Angst geht. Angst ist etwas sehr Persönliches, Machtvolles – Fritz Riemann hat das mit seinen „Grundformen der Angst“ 1961 eindrücklich gezeigt. Riemann schreibt: „Hatte der Mensch früherer Zeiten Angst  … vor bedrohenden Dämonen und rächenden Göttern, müssen wir heute Angst vor uns selbst haben“. Diese Worte aus den 1960er Jahren haben eine fast erschreckende Realität, wenn man die Konsequenzen dieser dämonischen Selbstangst anschaut.

Die Antwort des christlichen Glaubens auf die menschliche Angst ist die Hoffnung. Solche religiös basierten Grundorientierungen lassen sich nicht leicht in psychotherapeutische Zusammenhänge hineinnehmen, Auch in der Seelsorge müssen sie sensibel ins Gespräch eingebracht werden. Doch zeigt die Hoffnung, wie sie in den biblischen Texten immer wieder so berührend zum Ausdruck kommt, einen begründeten Horizont auf, auf den wir verweisen können und sollen. Mit Hoffnung ist die Fähigkeit gemeint, über sich und das jetzt Erkennbare hinauszuschauen und zu vertrauen, dass es außerhalb des gegenwärtigen persönlichen Erfahrungshorizontes eine Perspektive gibt, die Zukunft öffnet. „In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden“ (Joh 16,33). Dieser Zuspruch Jesu gibt der Hoffnung ein tragfähiges Fundament und hilft, die Angst zu überwinden. Sie lädt dazu ein, den destruktiven Kräften der Angst  ein radikales Vertrauen entgegenzusetzen.

Ich wünsche diesem 11. Internationalen Kongress für Psychotherapie und Seelsorge, und der Veranstalterin, der Akademie für Psychotherapie und Seelsorge, anregende Impulse und wertvolle Begegnungen. Wir können sie in diesen Tagen wirklich gut gebrauchen.

Heinrich Bedford-Strohm, Landesbischof
Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern