Aktuelles

Was tut sich in der APS?

Schematherapie in Weißrussland

Am 14. und 15. September konnte eine lange vorbereitete Einführung in die Schematherapie im Psychologischen Beratungszentrum Brest, Weißrussland stattfinden.

Schon seit 14 Jahren unterstützt die APS die Arbeit der „Brester Psychologen“ unter Leitung von Prof. Dr. Lidia Lysiuk. In unregelmäßigen Abständen waren immer wieder einmal Referenten aus der APS dort, und regelmäßig ist eine kleine Delegation aus Weißrussland auf den APS-Kongressen anwesend, was Lidia Lysiuk organisiert. Dabei wird regelmäßig eine Übersetzerin ins Russische mitgebracht, was für alle weiteren russischsprachigen Teilnehmenden natürlich von großem Vorteil ist. Über unsere Übersetzungsanlage konnten so beim letzten Kongress ca. 10 Personen das Programm auf Russisch verfolgen.

Diesmal war Martin Grabe (u. a. von der ISST zertifizierter Schematherapie-Trainer) angereist, um ein Einführungs-Kompaktseminar in die Schematherapie über zwei Tage zu halten. Ziel war, bereits in der Psychotherapie erfahrenen PsychologInnen und ÄrztInnen einen möglichst praxisorientierten Input zu geben, um diese zu befähigen, selbst schematherapeutische Ansätze anzuwenden. Insbesondere waren das die Erstellung eines Modusmodells, die an vielen Fallbeispielen in Kleingruppen geübt wurde, die Durchführung von Imaginationsübungen und die Arbeit mit Stühlen.

Auch die emotionsaktivierende und ressourcenstärkende Imagination wurde in Kleingruppen geübt. Insgesamt durchzog das ganze Seminar eine hochmotivierte, sehr lernbereite Stimmung. An vielen Fragen wurde deutlich, dass sich die Teilnehmenden bemühten, in der Praxis anwendbares Handwerkszeug mitzunehmen. Zum Abschluss der Tagung vereinbarte Lidia Lysiuk bereits ein nächstes Treffen in vier Wochen, um intern mit den TeilnehmerInnen die bis dahin mit der Schematherapie gemachten Erfahrungen besprechen zu können. Fast alle möchten kommen.

Zur Situation in Weißrussland lässt sich feststellen, dass sich zwar grundsätzlich seit Beginn unserer Zusammenarbeit noch nichts geändert hat: das Land ist weiter eine Sowjetdiktatur, man darf kein eigenes Grundstück besitzen, Bürokratie und Korruption sind mächtig. Für Psychotherapie gibt es keine Leistungen von der Krankenversicherung, sondern alles muss privat bezahlt werden. Es gibt darum auch kaum Angebote für qualifizierte Beratung und Therapie, so dass das christlich motivierte Beratungszentrum in Brest eine große Ausnahme darstellt und von Anfragen überlaufen ist.

Gleichzeitig sind aber auch ganz offensichtlich viele Verbesserungen eingetreten. Die Stadt Brest hat inzwischen eine schöne Fußgängerzone, Straßencafés und mit Kunstwerken ausgestattet Parks. Zu Beginn unserer Zusammenarbeit gab es das alles noch nicht, sondern ausschließlich deprimierende Plattenbau-Tristesse in der ganzen Stadt. Die bürokratischen Schwierigkeiten für christliche Gemeinden haben spürbar abgenommen, so dass auch evangelische bzw. nicht-orthodoxe Gemeinden relativ ungestört ihre Arbeit tun können.

Wünschen wir den Menschen in Weißrussland, dass diese Entwicklung weiter geht und eines Tages auch dahin führt, dass die Kosten für die oft so nötige Psychotherapie übernommen werden. Als APS jedenfalls möchten wir die Zusammenarbeit motiviert weiterführen.

(Martin Grabe)

 


 

Vernetzt! Verbunden! Verstrickt?
Psychotherapie und Seelsorge in einer digitalisierten Welt

10. Internationaler Kongress für Psychotherapie und Seelsorge in Würzburg, CCW, 5.-8.06.2019

Das Thema unseres kommenden Kongresses ist in seiner Bedeutung kaum zu überschätzen. Was geschieht mit uns Menschen, wenn wir fast unmerklich unsere digitalen Helfer als Teil unseres Lebens und unserer selbst integrieren? Wo liegen Chancen und Gefahren? Und mit welchen besonderen Herausforderungen haben es Psychotherapie und Seelsorge zu tun?

Neben dem Hauptthema gibt es über 90 inhaltlich breitgefächerte Seminare und ein reichhaltiges geistliches und kulturelles Angebot. Z. B. Andachten von Mihamm Kim-Rauchholz und ein Konzert mit Dieter Falk.

Sie müssen dabei sein!

Achtung:  Noch bis zum 15. Dezember gilt der günstigste Frühbuchertarif. Wer sich bald anmeldet, spart kräftig beim Preis und bekommt alle seine Wunschseminare.

www.aps-kongress.de

Neu: 4 Specials für Studierende und Young Professionals!

  1. „Begegnen – Inspirieren – Vernetzen“ - Event für Leute unter 30 im Ratskeller – mit gutem Essen
  2. Youngster Meeting: Berufswege in die Psychotherapie für Psychologie- und Medizin-studentInnen
  3. Extra-Lounge für Studis und Young Professionals
  4. Super-Sponsoring-Preis für Studierende unter 30: pauschal nur 49,- Euro für den gesamten Kongress

 (Martin Grabe)

 


 
Vorbilder!

Orientierung oder Verführung?

Zu diesem Thema erlebten wir am 27. und 28. April eine inspirierende Jahrestagung 2018 in Marburg.

Prof. Michael Rohde stieg in seinem Einführungsreferat aus theologischer Sicht gleich sehr umfassend ein. Er zeigte plastisch an Bildern, wie Vorbilder einen „Eindruck“ hinterlassen, stellte aber auch von vornherein fest, dass die Prägung durch Vorbilder in unterschiedliche Richtung gehen kann: sie können zu Überforderung und Werkgerechtigkeit drängen – und sie können ermutigen, in geistlicher Hinsicht auch dazu, Erlösungsbedürftigkeit und Erlösung anzunehmen.

Dabei gibt es in der Bibel drei Weisen, wie mit Vorbildern umgegangen wird:

  1. Depotenzierung (negative, warnende Beispiele)
  2. Idealisierung (bis hin zum direkten Lob: so war sonst keiner)
  3. Ambivalenz (gute und schlechte Eigenschaften werden dargestellt, durchaus im Sinne von 1. und 2., z. B. bei David)

Leitende werden aufgefordert, selbst Vorbild für andere zu sein.

Aber es wird auch das Ende aller Vorbilder beschrieben. Durch die Kraft des Heiligen Geistes wird das Vorbild Jesu zu einem inwendigen Bild, das keine äußeren Vorbilder mehr braucht.

Am Samstag dann ging Prof. Tobias Künkler aus Sicht der interdisziplinären Lern- und Beziehungsforschung auf Vorbilder ein. Er unterschied zwischen Nachahmung („Wir leben in Nachahmungsströmen“. Neue Ideen sind in der Regel „Kreuzungen von Nachahmungsströmungen“).

Mitahmung (Praktiken werden gemeinsam vollzogen, der Lernprozess ist zugleich ein Prozess des Zugehörig-Werdens),

Lernen für andere (dem anderen gleich werden wollen, von ihm begehrt werden, begehren, was er begehrt).

Die Relationalität unserer Existenz sei kaum ganz zu erfassen und zu würdigen. Menschen sind tief in Beziehungen eingebettet und auf diese angewiesen. Andere werden zum Spiegel für den Selbstwert. Im „Anerkennungsparadoxon“ wird ausgedrückt, dass Unabhängigkeit nur durch Abhängigkeit erreichbar ist. Der Forscher Todorow beschrieb, wie Menschen Anerkennung durch andersartiges, neuartiges Verhalten bekommen können (Distinktionsanerkennung) oder durch erwartetes Verhalten (Konformitätsanerkennung). Das erstere bestehe aber immer nur kurze Zeit. Falls es einen Trend auslöse, sei dieser dann ein neues Konformitätsideal.

Gisela Ana Cöppicus Lichtsteiner schloss die Tagung mit ab mit ihrem Vortrag über „Vorbilder für Therapeuten – Vom psychotherapeutischen Eros“. Wer bei diesem Thema erwartet hatte, als Therapeut oder Seelsorger Ermutigung oder Anregungen für sich selbst zu bekommen, wurde nicht enttäuscht. Sie vermittelte die Haltung der Ärzte Carlos Seguin und Christian Scharfetter, die den therapeutischen Raum als einen Raum der Liebe wahrgenommen haben. Der Therapeut glaubt an den Patienten und an die ihm eigenen Werte und wünscht ihm Entwicklung. Jürg Willi beschrieb, dass es Parallelen zwischen christlicher Liturgie und Therapie gebe: es gehe um die Etablierung einer tragfähigen Beziehung als Kern der Wirksamkeit. Hans Trüb, der mit Martin Buber befreundet war, postulierte einen „transzendentalen Seinsgrund“ des Menschen. Therapie ereigne sich vor einem großen Ganzen, der Therapeut sei nicht das letzte Agens in der Therapie.

Letztlich sei immer die Frage: was trägt uns selbst? Heinrich Spaemann sagte dazu: „Was ich im Auge habe, bildet mich.“

Erfüllt und glücklich traten die Teilnehmenden die Heimreise an.

(Martin Grabe)

 


 

Termine:

  • 10. Internationaler Kongress für Psychotherapie und Seelsorge am 5. – 8. Juni 2019 im Congress Centrum Würzburg

Nähere Informationen zu allen Veranstaltungen auf unserer Website unter Termine und im Sekretariat.

Autor: Martin Grabe

Unsere Zeitschrift P&S

Leseproben von P&S sind im APS-Sekretariat oder beim SCM Bundes-Verlag erhältlich.

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Autor: Martin Grabe

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